Rhein Residenz Historie

DAS HOTEL RHEIN-RESIDENZ

Der ursprüngliche Kern des Hotels ist der Gebäudeblock, in dem die Restaurantküche untergebracht ist. Dieses Gebäude wurde 1683 von dem als Vogt des Herzogtums Jülich in Niederbreisig residierenden Wilhelm von Keiffenheim erbaut. Niederbreisig war damals "Hauptstadt" des Halbautonomen "Breisiger Ländchens", eines geschlossenen exterritorialen Gebietes (einer "Kolonie") des "Freiweltlichen Essener Damenstifts", einer klösterlichen Wohngemeinschaft unverheirateter Töchter aus mächtigen Fürstenhäusern. Die frommen Damen in dem Essener Stift hatten - da sie aus reichen Verhältnissen stammten - alles, nur keine Streitmacht, um ihr kleines Territorium am Rhein zu regieren und zu schützen. Deshalb waren sie auf die Hilfe des ihnen unter dem Krummstab des Kölner Erzbischofs verbundenen Jülicher Herzogs angewiesen, der seinerseits einen "Vogt" für Breisig abstellte.

Lange Jahrzehnte verwalteten die Herren "von Keiffenheim" dieses Amt in seinem Auftrag .Sie bauten damals das Eckhaus "Biergasse / Rheinufer" als ihre repräsentative "Rheinresidenz". Sie errichteten ihr Haus an dieser Stelle wahrscheinlich auch bewusst in direkter Nachbarschaft zu dem gerade entstandenen prächtigen "Schultheißen-Haus" in der Biergasse, dem Haus der Familie von Meurers, die über Jahrhunderte stets den Schultheiß, also den "Bürgermeister" der Breisiger Bürgerschaft stellte.  Auf dem Hof des Hauses war zudem die "Zehntscheuer", wo die alljährlichen Abgaben für die Fürstäbtissin des Essener Stifts zusammengetragen wurden.

Hotel Rhein Residenz Bad Breisig - Historie
Im Jahr 1783 (Jahreszahl über dem Torbogen an der Biergasse und die Initialien HK und CB) ließen Heinrich von Keiffenheim aus der Folge-Generation und seine Ehefrau Clara von Berghausen einen Um- und Ausbau ihres Wohnhauses durchführen. Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 wurde alles anders - die Familie von Keiffenheim verlor ihre Vogtei. Eine Familie Keller wurde für einige Jahrzehnte Besitzer des Hauses. Sie entdeckte eine neue wirtschaftliche Möglichkeit am Rheinufer. Es war die hohe Zeit der Treidel-Schifffahrt und der davon ausgehenden Verdienstmöglichkeiten. Immer mehr Wagen wurden mit Pferdegespannen linksrheinisch rheinauf gezogen. Die Pferde und "Halfer", wie die Treidel-Knechte genannt wurden, brauchten Pausen und Verpflegung. Neben dem Wohnhaus wurden Ställe zum Pferdewechsel gebaut und im Haus eine Gaststube errichtet, in der die rauhen Halfer-Gesellen ihren Hunger und ihren Durst stillen konnten.

Hotel Rhein Residenz Bad Breisig - Historie

Mitte des 19. Jahrhunderts legten drei unverheiratete, immer streng in langen dunklen Röcken gekleidete Damen der Familie Bender ("Nannchen", "Lieschen"  und "Klara") ihr Vermögen an, indem sie der Familie Keller das Anwesen abkauften. Sie bauten das gastliche Haus zum "Hotel Bender" aus, brachten Breisiger Mädchen das Haushalten, Kochen und noch andere Aspekte guter Gastronomie bei, so dass diese mit einer "unschlagbaren Ausbildung" ins Eheleben entlassen wurden. Die drei dynamischen Gastronominnen ließen auch die Gartenterrasse mit der Eisbrecher-Bastei neben dem Gasthaus anlegen, wo in einer Biergarten-Laube schöne Feste gefeiert wurden. In die Ägide der "Drei Bender-Tanten" fiel ein für Breisig wichtiges Ereignis:
Am 15. August 1877 trafen sich im Hotel Bender, dem ältesten Gastronomiebetrieb am Breisiger Rheinufer, auf Einladung von Bürgermeister Esser 15 honorige Bürger, und gründeten mit vielen Zukunftsvisionen den "Verschönerungsverein Niederbreisig"; sie gaben damit den Anstoß zum Aufbau des "Luftkurortes Niederbreisig". Anregungen dazu hatten die Erbauer der Villen an der Rheinfront gegeben.

Aus dem Erbe der drei Bender-Tanten ging das Hotel 1924 in den Besitz ihres Bruders Franz über. Franz Bender, und seine tatkräftige Ehefrau hatten sieben Kinder. Sie zogen früh die Konsequenz aus der inzwischen untergegangenen Treidel-Schifffahrt; wo bisher Pferdeställe standen, wurde bis 1932 der große südliche Hotelanbau errichtet. Dem Aufschwung des Hotels wurde mit dem Kriegsbeginn ein Riegel vorgeschoben: Das Hotel wurde - wie das Kurhaus, das Rheinhotel und die "Mühle" - ein Lazarett.

Nach dem Krieg erlebte das Hotel eine neue Blüte, die über vier Jahrzehnte anhielt. Adolf Bender aus der neuen Generation hatte die Verantwortung übernommen und neue Impulse gesetzt. Unter seiner Ägide wurde zum Beispiel auch die "Treidelstube" unter der Restaurant-Terrasse mit wechselnden Betreibern eingerichtet.

Hotel Rhein Residenz Bad Breisig - Historie

Eine Krise im Tourismusgeschäft 1991 veranlasste Adolf  Bender dazu, das Hotel an Hermann Semmler und dessen Team zu verkaufen, die hier mit 1,5 Millionen Umbaukosten eine "Regenerations-Klinik" mit etwa 50 Betten aufbauten. Bewährte und neue Naturheilverfahren und die damals sehr beliebte Frischzellen-Therapie brachten in dieser Klinik gestresste Zeitgenossen wieder auf Vordermann. Außer medizinischer Hilfe wurden auch Kosmetik und Massagen in der Klinik angeboten. Das Unternehmen florierte, bis Hermann Semmler durch eine schwere Krankheit aus der Bahn geworfen wurde. Alle Zukunftspläne waren dahin und das Gebäude war dem Verfall preisgegeben.

Im Jahre 2003 kam die Rettung, als die immer jung gebliebene Irmgard Mollstroh, die in der Modebranche groß gewordene Unternehmerin, noch einmal "die Ärmel hochkrempelte" und das mit ihrem verstorbenen Ehemann erarbeitete Vermögen in das ziemlich heruntergekommene Hotel investierte. So erlebt heute das alte "Hotel Bender" seine Renaissance als elegantes "Hotel Rhein-Residenz" wieder.